Erlaubte und unerlaubte Fragen im Gespräch

  

Gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit kämpfen einige mit allen Mitteln um den Job. Sie flunkern im Bewerbungsgespräch, was das Zeug hält. Kritisch wird es, wenn Kandidat/innen mit Qualifikationen werben, die sie nicht haben, oder wenn sie wichtige Details verschweigen. Fällt die Schwindelei auf, folgt meist die Kündigung. Vor den Arbeitsgerichten dürfen Lügner/innen nicht auf Gnade hoffen: Der Arbeitgeber darf alle Fragen stellen, die für den Job von Bedeutung sind.

Doch: Notlügen sind manchmal erlaubt.

Erlaubt sind alle Fragen, bei denen das berufsbezogene Aufklärungsinteresse des Arbeitgebers das persönliche Geheimhaltungsinteresse der Bewerber/innen überwiegt.

Bei anderen Fragen dürfen Sie lügen. Die Regeln im folgenden helfen Ihnen einzuordnen, zu welcher Kategorie Ihr 'wunder Punkt' gehört:

 

Gewerkschaftszugehörigkeit:Lügen ist meist erlaubt. Als leitender Angestellter und Bewerber für Gewerkschaftsjobs müssen Sie Ihre Mitgliedschaft aber angeben.
Krankheiten, Körperbehinderungen:

Ehrlich antworten bei akuten Krankheiten, wenn Ihre Eignung für die Arbeit eingeschränkt ist. Ebenso bei Ansteckungsgefahr oder bevorstehenden Operationen und Kuren (Bundesarbeitsgericht (BAG), Az: 2 AZR 270/83).

Lügen ist erlaubt bei Krankheiten, die Ihre Einsetzbarkeit nicht beeinträchtigen.

Eine HIV-Infektion dürfen Sie - außer bei Berufen mit besonderer Infektionsgefahr - verschweigen. Die Frage nach einer ausgebrochenen AIDS-Erkrankung müssen Sie dagegen immer richtig beantworten.

Bisheriges Gehalt:Lügen ist erlaubt, sofern Ihre bisherige Vergütung nicht relevant für die erstrebte Stelle ist und Sie Ihr bisheriges Gehalt nicht als Mindestlohn fordern (BAG, Az: 2 AZR 171/81).
Religionszugehörigkeit:Lügen ist erlaubt, außer der Arbeitgeber ist selbst konfessionell gebunden, zum Beispiel ein evangelischer Kindergarten.
Schwangerschaft:Lügen ist erlaubt (BAG, Az: 2 AZR 227/92). Ausnahme: Die Arbeit ist für den Schutz Ihrer Gesundheit und die Gesundheit Ihres ungeborenen Kindes verboten (zum Beispiel Tätigkeit mit Infektionsgefahr - BAG, Az: 2 AZR 25/93).
Schwerbehinderung:Ehrlich antworten, da die Frage immer zulässig ist (BAG, Az: 2 AZR 754/97), selbst wenn Ihre Behinderung keinen Einfluss auf die Tätigkeit hat (BAG, Az: 2 AZR 923/94).
Stasi-Tätigkeit:Ehrlich antworten, zumindest, wenn Sie im öffentlichen Dienst arbeiten wollen (BAG, Az: 8 AZR 561/92). Ausnahme: Ihre Tätigkeit endete schon vor 1970 (Bundesverfassungsgericht, Az: 1 BvR 195/95).
Vorstrafen:Ehrlich antworten, soweit die Vorstrafen oder laufenden Ermittlungen Arbeitsplatzbezug haben (zum Beispiel Sachbeschädigung und Verkehrsdelikt bei Polizisten - BAG, Az: 2 AZR 320/98). Verschweigen dürfen Sie Strafen, die im Bundeszentralregister gelöscht wurden (Paragraf 53 Bundeszentralregistergesetz).

Quelle: Stiftung Warentest online 03/2000